Wie bist du auf den Namen "Schönwerk" gekommen?

Das ist gar nicht so einfach. Ich wollte keine Puschelnamen, denn mir ging es immer um das Handwerk: Wenn man im Bereich Homeaccessoires etwas verkauft, steckt ja immer ein Handwerk dahinter. Der Begriff „Handwerk“ ist allerdings zu sehr männlich aufgeladen – da würden ganz viele Frauen sagen „Da geh ich nicht hin!“. Genau deshalb muss es ein schönes Handwerk sein. So wurde das „Schönwerk“ daraus. Das Wort „werkeln“ deutet schon an, dass es dabei sehr viel mit Handwerk zutun hat. Und das hat es bei uns: Der ganze Ladenbau ist selbst gemacht von meinem Mann und mir. Vor etwa zwei, zweieinhalb Jahren habe ich mir überlegt, wie das alles sein soll und wir haben dann zunächst das ganze Holz anliefern und zuschneiden lassen. Dann haben wir in einer Halle wochenlang gewerkelt (lacht).

Warum hast Du dich dafür entschieden,
einen Laden in Münster zu eröffnen?

Ich war zunächst in Steinfurt ansässig und schon von Vornherein, als das Konzept geboren wurde, stand fest, dass ich gerne nach Münster gehen würde. Aber gleichzeitig ist es ein Risiko, sowas wie den Laden einfach mal eben nur so auszuprobieren. Deshalb: Erstmal in der Kleinstadt ausprobieren, ob dieses Konzept überhaupt ankommt. In der Kleinstadt ist das Konzept gut angekommen, aber da hat man eben recht schnell alles abgegrast. Und spätestens dann stand fest, dass es irgendwann nach Münster gehen soll. Wir haben von Anfang an gesucht, gesucht und gesucht und dann hat sich das durch eine gemeinsame Bekannte hier ergeben. Die wusste, dass die, die vorher in diesem Objekt waren, rauswollten, und dass Nina (Inhaberin von NK Letterpress) eben jemanden suchte, der hier den Laden anmietet.

Also kanntet ihr euch schon vorher.

Nein, gar nicht. Wir haben uns durch diesen Laden kennengelernt.

Also quasi wie ein Blinddate.

Genau, Nina kam dann irgendwann nach Münster. Nein, nach Borghorst. Und es war an diesem Tag ganz kalt – ich habe es gar nicht so empfunden, aber Nina war ganz dick angezogen. Wir sind hier leider Gottes sehr unterschiedlich; Nina friert schnell und ich schwitze schnell. (Zu Nina) Du hattest jedenfalls dein pink-gestreiftes längeres Teil an. Das weiß ich noch, denn alles, was visuell ist, bleibt mir im Gedächtnis. Dafür habe ich kein Gefühl für Namen.

"Ich bin überzeugt von Nachhaltigkeit und von der Tatsache, dass das nichts mit Budget zu tun hat – man kann auch nachhaltig leben, ohne in Saus und Braus leben zu können."

Was hat Dich dazu bewegt neben deinem Job als Beraterin, 
einen eigenen Store zu eröffnen, der seinen Schwerpunkt
auf fair produzierte und nachhaltige Produkte legt?

Ich bin überzeugt von Nachhaltigkeit und von der Tatsache, dass das nichts mit Budget zu tun hat – man kann auch nachhaltig leben, ohne in Saus und Braus leben zu können. Ich habe mal im Fernsehen eine Hartz-4-Empfängerin gesehen, die schon immer nachhaltig gelebt hat. Das heißt, Nachhaltigkeit ist nicht monetär.

Neben dem Beruf war es einfach immer ein Traum mit dem Laden. Ich bin dann 50 geworden und habe gemerkt: Nein, das war‘s noch nicht. Ich bin jemand, der sehr schnell unruhig ist und immer etwas tun und immer etwas machen will, und da habe ich gesagt: Jetzt mache ich den Laden.

Würdest du den Laden irgendwann für immer machen wollen? Den anderen Beruf, den Hauptberuf, an den Nagel hängen und diesen Laden für immer machen?

Wenn es irgendwann mal so wäre, dass das Budget reicht, dann ja. Aber noch ist es im Grunde genommen für mich ein totales Hobby.

Ein schönes Hobby.

„Hobby“ klingt immer so, als stecke keine Ernsthaftigkeit dahinter. Ich würde mir wünschen, dass ich das andere nicht mehr machen müsste… Wobei ich das andere auch gar nicht machen muss. Ich mach’s gern. Ich weiß auch gar nicht, ob ich auf das andere verzichten würde. Es ist toll, es ist alles toll. Nicht alle Menschen haben so ein Glück, immer das machen zu können im Leben, worauf sie Bock haben. Aber ich habe das und dafür bin ich sehr dankbar.

 

Woher nimmst Du deine Inspiration?
Wie läuft das ab, wie muss man sich das vorstellen, wenn du neue Produkte entdeckst?

Mit offenen Augen durch die Welt gehen.

 

Okay. Und das ist schon alles?

 

Ja, das ist es schon! Natürlich schaue ich auch viel im Internet; Instagram, Pinterest und so weiter, aber da findet man mittlerweile auch ganz viel Gleichförmiges. Die Bilder werden gleichförmiger. Zum Beispiel durch diesen Braunfilter, der jetzt überall aufgelegt ist… Da wird alles immer gleichförmiger. Ich bin auch ansonsten viel unterwegs und in jeder Stadt, in jedem Dorf schau ich mir Läden an, immer schon. In den Läden entdecke ich Dinge, bekomme durch meinen international vernetzten Freundeskreis Sachen zugeschickt… Das ist einfach „open your mind“.

"Mit offenen Augen durch die Welt gehen.
Das ist einfach 'open your mind'."

Was ist Dir bei der Auswahl deiner Produkte besonders wichtig?

Ich habe meine vier Kriterien. Nicht jedes Produkt erfüllt alle vier. Meine Regionalprodukte sind per se nachhaltig in der Logistik, weil zum Beispiel manche Lieferantinnen die auch mal zu Fuß bringt. Oder im Kinderwagen, und unten ist die Ware. Das ist wunderbar. Natürlich haben andere beim Stichwort „Nachhaltigkeit“ andere Kriterien. Die sagen dann etwa „Das muss Biofarbe sein!“ oder Ähnliches. Nicht alles lässt sich aber mit Biofarbe herstellen. Regionalität ist jedenfalls ein nachhaltiger Aspekt, wonach ich meine Produkte natürlich auswähle, aber das ist natürlich sehr begrenzt. Ich würde gern viel mehr spielen, aber bei vielen Anbietern gibt es nur so eine Semiprofessionalität. Das funktioniert nicht im Handel. Bei Textilien ist das Kriterium etwa, dass ich darauf schaue, dass es in der gesamten Kette, das heißt, auch vorher in der Rohstoffkette, oder in der Pflanze keine Kinderarbeit geben darf. Das müssen die Anbietenden dann transparent offenlegen. Das ist für mich das A und O. Dann: Frauenunternehmen unterstütze ich per se, deren Angebote schaue ich mir wesentlich ernsthafter an, weil… Frauen an die Macht. Dann hätten wir weniger Kriege und mehr Bildung, ganz einfach (lacht). Es gibt so viele Untersuchungen, die das bestätigen. Das ist also ein Kriterium. Ein weiteres Kriterium ist, dass die Anbieter faire Löhne zahlen. Aber nicht jedes Unternehmen zahlt faire Löhne, dafür macht es vielleicht irgendwo anders etwas gut. Ich bin niemand, der alles sofort verteufelt, sondern ich stehe auf dem Standpunkt, wenn wir alle ein bisschen was gut machen, dann sind wir schon ganz, ganz, ganz weit. Und nicht alle müssen alles perfekt machen.

Neugierig geworden? Hier geht’s zur Website vom Schönwerk.

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